#138 Deanston Decennary (Distillery Exclusive)

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Farbe:

Bernstein

Aroma:

Bereits beim ersten Verriechen knapp oberhalb des Glasrandes offenbart der Deanston viele Facetten mit reichlich Tiefgang. Erster Eindruck: Süß-säuerliche Aromen vermischen sich mit hellen und dunklen Früchten sowie würzig-staubigen Eichenholznoten. Präziser: Apfelsaft, Zitronen, getrocknete Orangenschalen, Vanille, dunkler Waldhonig, helle Früchte (Pfirsiche?) und getrocknete Früchte (Rosinen & Datteln) setzen zunächst den Schwerpunkt. Eine schwere Restsüße blitzt auf, welche mich an eine verbrannte Karamellkruste einer Crème brûlée erinnert. Im Verlaufe des Nosings gewinnen die schweren Noten deutlich an Intensität und gieren Stück für Stück nach Aufmerksamkeit. Reichlich Gewürze und Kräuter (z.B. Muskat & Ingwer) sowie herb-staubige Eichenholznoten komplettieren die vielschichtige Nase. Der Alkohol (46,3% Trinkstärke) ist sehr gut eingebunden.

Geschmack:

Mit einer seidenweichen und cremigen Textur breitet sich der Malt im gesamten Mundraum aus. Das Verdünnen auf Trinkstärke überzeugt mich auch nach dem 3. Schluck nicht hundertprozentig. Knappe 50% wären für mein Empfinden vielleicht die bessere Wahl gewesen, der letzte Feinschliff (hinsichtlich Aromentransport) fehlt mir hier ein wenig. Wirklich verwässert wirkt der Deanston jedoch nicht. Süß-säuerliche Früchte blitzen mit einer ganz zarten Ingwer-Schärfe auf. Apfelsaft, Zitrusfrüchte, Pfirsiche, salzige Karamellbonbons, Vanille und dunkler Waldhonig vermischen sich mit saftigen Datteln und Rosinen. Die volle Kräuter-, Gewürz- und Eichenladung lässt nicht lange auf sich warten. Ein Hauch Minze gesellt sich hinzu.

Abgang:

Mittellang bis lang, süß-würzig und wärmend. Zu Beginn des Abgangs blitzt eine schöne Restsüße auf, ehe die schweren Aromen spürbar an Präsenz gewinnen. Dunkle Früchte, Kräuter, Gewürze und staubig-alte Eichenholznoten lassen den Deanston langsam ausklingen. Walnüsse und Anklänge von Röstaromen gesellen sich final hinzu. Am Gaumen verleibt eine zarte Bitterkeit.

Fazit:

Die Fakten: Vier Fässer aus vier verschiedenen Dekaden wurden für diese Abfüllung (auf 1400 einzeln nummerierte Flaschen limitiert) von Deanston im Jahr 2017 miteinander vermählt. Dabei handelt es sich um folgende Fässer: Ein Refill-Fass aus dem Jahr 1977, ein amerikanisches Eichenfass von 1982, ein großes Portwein-Fass (Port Pipe) von 1996 und ein Pedro Ximénez – Sherryfass von 2006. Der Whisky wurde weder gefärbt noch kühlgefiltert und mit einem Alkoholgehalt von 46,3% abgefüllt. Die Flasche konnte online bei Deanston bestellt oder aktuell noch vor Ort in der Destillerie gekauft werden. Der durchaus faire Ausgabepreis lag bei ca. 110 Pfund, zzgl. Versandkosten (13 Pfund), wenn man die Flaschen im Online-Shop erworben hatte. Mit dem Decennary ist Deanston eine durchaus spannende und vielschichtige Komposition gelungen. Die aus vier verschiedenen Dekaden stammenden Fässer harmonieren sehr gut miteinander, einen leicht höheren Alkoholgehalt hätte ich mir dennoch gewünscht.

90/100

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