#126 Europa A – 129° U.4.1′ 1881.4″ (Scotch Universe)

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Farbe:

Terrakotta

Aroma:

Rechts unten auf dem Etikett befindet sich eine wichtige Information, die durchaus auch als kleine Warnung interpretiert werden kann: 67,8%(!) Alkoholgehalt. Nach dem „Images of Ayrshire“ von Malts of Scotland (68,3%) belegt der Tropfen nun den zweiten Platz der stärksten Whiskys, die bisher den Weg in mein Glas gefunden haben. Ich bin extrem gespannt!
Die erste Nase ist überraschend angenehm, blind hätte ich wohl eher auf 57-62% getippt. Ein spürbares Kühlen in der Nase ist natürlich wahrnehmbar, aber auch tiefere Atemzüge sind knapp oberhalb des Glasrandes für mich problemlos möglich und keineswegs unangenehm. Hier versteckt sich wohl der Wolf im Schafspelz. Man kann den Whisky getrost 20 bis 30 Minuten (oder länger) atmen lassen, ehe er sein volles Potenzial entfaltet. Unmengen an süßen, roten Früchten sind präsent: Reife Erdbeeren, Himbeeren, saftige Kirschen, Brombeeren, Trauben und Anklänge von Pflaumen nehme ich wahr. Die Nase ist kraftvoll, erfrischend und sehr fruchtbetont. Dazu gesellen sich feine Honignoten, ein Hauch von Karamell, Schokolade, Nüsse und leichte Einflüsse des Eichenholzes. Das Weinfass hat dem Malt viele schöne Noten mitgegeben, ohne dabei aufgesetzt „weinig“ zu wirken. Mit einigen Tropfen Wasser intensivieren sich die Fruchtnoten spürbar und die Nase wird noch harmonischer.

Geschmack:

Das Mundgefühl ist sehr cremig, wunderbar vollmundig und nach vielen Sekunden leicht adstringierend. Ein ordentliches Prickeln (Pfeffer/Ingwer?) auf der Zungenspitze setzt ein. Der geübte „Fassstärke-Trinker“ wird den Tropfen sicherlich auch pur gut genießen können. Der hohe Alkoholgehalt lädt zudem wunderbar zum Experimentieren ein, daher füge ich bei der Verkostung einige Tropfen Wasser hinzu (wird noch cremiger, harmonischer und fruchtiger). Die bereits beim Nosing gewonnenen Eindrücke setzen sich geschmacklich nahtlos fort: Wieder sind Unmengen an roten Früchten mit einer tollen Süße präsent. Kirschkonfitüre, reife Erdbeeren, Trauben, Waldbeeren und Orangen komplettieren die fruchtige Seite. Karamellbonbons (Werther’s Original), süßer Honig, Schokolade, Nüsse und ein wenig würzige Eiche folgen.

Abgang:

Lang, wärmend und fruchtig-würzig. Auch auf der Ziellinie sind die fruchtigen Noten sehr dominant und benötigen lange Zeit zum Ausklingen. Karamell, Schokolade, Nüsse und ein wenig Eiche sorgen für einen runden Schlusspunkt. Am Gaumen verbleibt eine leichte Trockenheit und das Verlangen nach einem 2. Dram. Einfach nur toll!

Fazit:

Die Fakten: Der Name Europa A – 129° U.4.1′ 1881.4″ beinhaltet viele wichtige Informationen (Reifezeit in Monaten, Fassart, rauchig oder nicht rauchig, das Gründungsjahr der Brennerei und die Region). Mit Hilfe einer kleinen Anleitung vom unabhängigen Abfüller Scotch Universe lassen sich die Zahlen- und Buchstabenkombinationen mit ein wenig Aufwand entschlüsseln: K1600_Aviary Photo_131660320163900562.JPG

Der Bruichladdich reifte über 10 Jahre in einem frischen Weinfass des Weingutes Château de Caladroy, welches tief im Süden Frankreichs beheimatet ist. Der Alkoholgehalt beträgt, wie bereits erwähnt, noch unglaubliche 67,8%. Mir gefällt die Abfüllung unheimlich gut. Der Alkohol ist gefährlich gut eingebunden, der Einfluss des Fasses nicht zu „weinig“ und überladend, die Fruchtigkeit bleibt stets im Vordergrund und der Abgang ist wunderbar lang und intensiv. Ausgabepreis: faire 99,90€. Da ich ausnahmsweise großzügig mit Wasser experimentiert habe und mir der Whisky mit einem Alkoholgehalt von ca. 57-60% am besten gefällt, vergebe ich zwei Wertungen.

ohne Wasser: 90/100

mit Wasser: 92/100

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2 thoughts

    1. Vielen Dank, lieber Olaf!
      Der Malt gehört definitiv bisher mit zu den besten, die ich dieses Jahr hatte, vor allem in der Rubrik „fassstark & ungetorft“. Da gehe ich zu 100% mit Dir! 🙂

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