#120 Yamazaki 18 Jahre

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Farbe:

Bernstein

Aroma:

Klassische Bourbonaromen suchen langsam den Weg aus meinem Glas. Helle Früchte, reichlich Vanille und auch eine deutliche Klebstoffnote sind zu Beginn präsent. Ich lasse dem alten Japaner reichlich Zeit zum Atmen. Nach mehr als 20 Minuten ist die unangenehme Klebstoffnote nahezu gänzlich verflogen. Die Nase wird nun viel spannender, intensiver und facettenreicher. Reichlich Orangen, Grapefruits, rote Äpfel, Aprikosen und Zitrusfrüchte werden zusätzlich von hellen Früchten unterstützt, welche leicht ins tropisch-exotische Spektrum abdriften. Leichte Sherrynoten machen nach über einer halben Stunde stärker auf sich aufmerksam. Rote Früchte (vor allem Kirschen), Zimt, schwer definierbare Kräuter, ein Hauch von Minze und würzige Holznoten komplettieren die sich stets wandelnde und komplexe Nase.

Geschmack:

Die Textur des 18-jährigen Yamazaki ist angenehm ölig und sanft. Der Antritt ist vollmundig und überraschend intensiv („nur“ 43% Alkoholgehalt). Die Zungenspitze prickelt ein wenig (frisch gemahlener Pfeffer), während eine wahre Aromenflut auf den Genießer zurollt. Saftige Blutorangen hinterlassen einen leicht säuerlichen Stich, helle und dunkle Früchte, leichte Sherrynoten, Karamell, Zartbitterschokolade, Kräuter, Zimt, Anklänge von Leder und Tabak sowie intensive Holznoten festigen die abwechslungsreiche und spannende Aromenvielfalt. Selten hatte ich einen Malt im Glas, der über eine derartige Balance und Harmonie verfügt. Am Gaumen entsteht bereits eine ganz zarte Trockenheit.

Abgang:

Mittellang bis lang, süß-würzig und wärmend. Feine Orangennoten, helle Früchte und leichte Sherrynoten begleiten mit einer Prise Pfeffer das harmonische Finish. Zartbitterschokolade, Kräuter, Zimt und würzige Holznoten folgen. Am Gaumen verbleibt eine leichte Trockenheit.

Fazit:

Die Fakten: Der 18 Jahre alte Yamazaki reifte in amerikanischen (Bourbon), spanischen (Sherry) und japanischen Eichenfässern (Mizunara). Der Alkoholgehalt beträgt 43%. Der aktuelle Preis beginnt derzeit bei ca. 375-400€, Tendenz (leider) weiterhin steigend. Ich gestehe, dass ich zu Beginn des Nosings ein wenig enttäuscht war, da ich mit der relativ deutlichen Klebstoffnote überhaupt nicht gerechnet hatte. Ausreichend Geduld hat sich bei dem Malt extrem ausgezahlt. Die Nase wurde von Minute zu Minute facettenreicher, spannender und besser. Die Harmonie, Balance und Intensität waren teilweise außergewöhnlich gut. Ob einem der Tropfen geschmacklich ca. 400€ wert ist, muss ohnehin jeder selbst entscheiden. In derartigen Preisregionen (ab 250€+) bevorzuge ich z.B. eher Malts wie: Glengoyne 25 Jahre, Mannochmore 25 Jahre oder Bruichladdich 25 Jahre Sherry Cask Edition.

91/100

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