#113 Ben Nevis 1990/2008 (Jack Wiebers)

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Farbe:

Bernstein

Nase:

Ein kleines Schmankerl vorab: Serge Valentin bewertete die Abfüllung einst mit lediglich 39 von 100 Punkten. Mein erster Eindruck nach dem Einschenken ist schwer zu beschreiben. Eine ungewohnte Mischung aus distanzierter Ratlosigkeit, Gelächter und Neugierde trifft es wohl am besten. Eine wildes Konglomerat aus UHU-Klebstoff, Abbeizer, Nagellackentferner und säuerlichen, fast fauligen, Noten steigt langsam aus meinem Glas empor. Sauerkraut, Salt & Vinegar Chips und Anklänge von Buttermilch folgen. Der heftige Alkoholgehalt (61,2%) macht sich durch ein ordentliches Kühlen in der Nase bemerkbar. Das bisherige Fehlnoten-Festival war bereits auf Champions-League-Niveau. Ich lasse den Malt nun einige Minuten (ca. 15-25) atmen. Endlich: Leichte Sherrynoten, Orangen, Kirschen, grüne Äpfel, Vanille, Kellermuff, Nüsse, leichter Schwefel und Kräuter retten die groteske Nase. Herrlich eckig und kantig, dabei vollkommen anders, als alle bisher von mir verkosteten Malts.

Geschmack:

Ohne Hinzugabe von Wasser startet der Ben Nevis leicht ölig, sehr trocken und pfeffrig-würzig am Gaumen. Sauerkraut vermischt sich mit angenehmen Sherrynoten. Grapefruits (sehr säuerlich!), süße, rote Früchte, Klebstoff, frisch gemahlener Pfeffer, Nüsse, Schokolade, Minze, Kräuter (Richtung Maggi) und muffiges Holz folgen. Mit ein wenig Wasser intensivieren sich die Sherrynoten und die Textur wird öliger. Mir gefällt der Malt dadurch besser, da süß-fruchtige Aromen deutlicher zum Vorschein kommen. Eine leichte Schwefelnote verbleibt im Hintergrund.

Abgang:

Lang, pfeffrig-würzig und leicht fruchtig. Ein letzter Tropfen UHU verharrt am Gaumen, ehe leichte Sherrynoten, Kirschen, Nüsse, dezenter Schwefel, Schokolade und kräftige Kräuter- und Eichenholznoten den Ben Nevis langsam ausklingen lassen. Eine spürbare Trockenheit bleibt zurück.

Fazit:

Der Ben Nevis reifte von 1990 bis 2008 in einem Sherryfass und verfügt über einen Alkoholgehalt von 61,2%. Insgesamt 611 Flaschen wurden vom unabhängigen Abfüller Jack Wiebers abgefüllt. Der Preis betrug vor vielen Jahren um die 80€. Der Malt ist auf jeden Fall ein würdiger Vertreter aus dem Kuriositätenkabinett! Die anfangs völlig groteske Nase wandelte sich nach vielen Minuten immerhin zu einem halbwegs angenehmen und vielschichtigen Aromenfestival. Geschmacklich gefällt mir der Ben Nevis weitaus besser, auch das Finish überzeugt. Die schöne Erfahrung, einen auf diese Art und Weise außergewöhnlichen, spannenden und durchaus leckeren Malt probieren zu können, nehme ich gerne mit. Eine finale Wertung ist denkbar schwierig und extrem tagesformabhängig. Den muss man mal probiert haben!

85/100

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