#108 Pittyvaich 1989/2015 25 Jahre

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Farbe:

Gelbgold

Aroma:

Unmittelbar nach dem Einschenken strömen weiche Fruchtnoten und florale Aromen aus meinem Glas. Der Alkoholgehalt (49,9% Fassstärke) ist perfekt eingebunden und ermöglicht lange Atemzüge knapp oberhalb des Glasrandes. Frische, helle Früchte sind sofort dominant. Aprikosen, grüne Äpfel, Birnen, Ananas, ein Hauch Maracuja und Anklänge von unreifen Erdbeeren zementieren das fruchtige Fundament. Die sanften Fruchtaromen werden von weichen Vanille/Karamell- und Blütenhonignoten ummantelt. Dahinter folgen Malz, Mandelsplitter und eine leichte, an Clynelish erinnernde, Wachsnote. Einen unglaublich schönen Kontrast bilden die ausgeprägten Eichenholznoten, welche stets wahrnehmbar sind, aber zu keiner Zeit die fruchtig-frischen Aromen in den Hintergrund drängen. Die Nase begeistert mich auf Anhieb, da diese eine sehr harmonische Symbiose aus seidig-weichen Fruchtnoten und einer merklich langen Reifezeit von einem Vierteljahrhundert abbildet.

Geschmack:

Angenehm ölig und weich startet der Pittyvaich am Gaumen. Der fassstarke Alkoholgehalt verleiht dem Malt ausreichend Kraft und passt für mein Empfinden wieder sehr gut. Auf die Hinzugabe von Wasser verzichte ich. Geschmacklich dominieren zu Beginn wieder süße, helle Früchte: Aprikosen, grüne Äpfel, Birnen und tropische Früchte nehme ich wahr. Dahinter folgen florale Noten, Vanille, süßes Malz, reichlich Mandeln, Milchschokolade, frisch gemähtes Gras, Anklänge von Kräutern und Kiefernnadeln, Wachs und herbe Eichenholznoten. Tief verborgen im Hintergrund weht ein zartes Rauchfähnchen. Ähnlich wie die Nase ist auch der Geschmack sehr vielschichtig und harmonisch. Am Gaumen wird es bereits leicht trockener.

Abgang:

Mittellang bis lang, fruchtig-würzig und wärmend. Die süßen Fruchtnoten dominieren kurzfristig mit ein wenig Honig und Vanille. Milchschokolade und Kräuter folgen. Die würzigen Eichenholznoten nehmen letzten Endes wohltuend an Fahrt auf und verursachen eine spürbare, aber stets angenehme, Trockenheit. Eine feine Nussigkeit  und zarte Rauchigkeit setzen den Schlusspunkt.

Fazit:

Die Fakten: Die Brennerei Pittyvaich (Speyside) war lediglich 18 Jahre lang geöffnet. 1975 begann die Produktion, 1993 folgte die Stilllegung und 2002 der Abriss. Im Jahr 2015 veröffentlichte Diageo im Rahmen ihrer jährlich erscheinenden Special Releases eine 25 Jahre alte Abfüllung von Pittyvaich. Der Malt reifte von 1989 bis 2015 in alten Refill Hogsheads aus amerikanischer Weißeiche sowie in First Fill Ex-Bourbon Barrels. Die fassstarke Abfüllung (49,9% Alkoholgehalt) ist auf 5922 Flaschen limitiert. Preis: 260€ – 300€+. Für mich ist der Pittyvaich ein wunderbarer, mindestens ein Vierteljahrhundert gereifter und zudem noch fruchtig-floraler Whisky mit weiteren interessanten Aromen, welcher hinsichtlich Balance und Harmonie kaum besser hätte sein können. Einziger Wermutstropfen ist der Preis, welcher (leider) auch der starken Limitierung einer längst geschlossenen Destillerie geschuldet ist. Das minimale Flaschendesign mit einer kleinen Zeitliste über die Destillerie sowie Destillationszeitpunkt der Abfüllung gefällt mir ausgesprochen gut. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

91/100

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