#99 Lagavulin Distillers Edition 1999/2015

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Farbe:

dunkles Kupfer

Aroma:

Kräftiger Rauch, mit Assoziationen an Speck und Räucherschinken, steigt sofort aus meinem Glas empor. Eine frische Meeresbrise vermischt sich mit Seetang, Algen und Asche. Je länger der Lagavulin atmen kann, desto süßer und fruchtiger wird er. Nach und nach kristallisiert sich ein vielschichtiges Aromenspektrum heraus: Grapefruits, Orangen, leichte Sherrynoten (süße, dunkle Früchte), Trauben, Vanille, geröstetes Malz und würzige Eiche nehme ich wahr. Der Alkohol (43%) ist nicht spürbar.

Geschmack:

Mit einer schönen, nahezu cremigen Textur breitet sich der Lagavulin im gesamten Mundraum aus. Eine intensive Süße rinnt langsam die Wangen entlang, während auf der Zungenspitze eine dezente Pfeffrigkeit einsetzt und ein leichtes Prickeln verursacht. Der kräftige Lagerfeuerrauch schlägt nun voll ein: Süß und stark rauchig beginnt der Whisky an den Geschmacksknospen zu werkeln. Rote Früchte, Orangen, Vanille, Röstaromen, zarte Anklänge von Nussknacker-Schokolade, gebrannte Mandeln, maritime Noten und würzige Eiche vermischen sich zu einem harmonischen Zusammenspiel. Der Alkohol ist optimal eingebunden.

Abgang:

Mittlang bis lang, süß-rauchig und wärmend. Ein erloschenes Lagerfeuer mit kalter Asche und salziger Schokolade sorgt für das aromatische Grundgerüst. Süße, dunkle Früchte bäumen sich mit letzter Kraft auf und vermischen sich mit würzigen Holznoten und einer angenehmen Nussigkeit. Der Lagavulin hinterlässt eine ganz leichte Trockenheit am Gaumen. Schön ausbalanciert und elegant klingen die kräftigen Aromen langsam aus.

Fazit:

Die Fakten: Die Lagavulin Distillers Edition wurde 1999 destilliert und nach ca. 16 Jahren 2015 abgefüllt. Mindestens drei Monate reifte der Whisky in Pedro Ximenez Sherryfässern nach. Der Alkoholgehalt beträgt 43%. Preislich bewegt sich die Abfüllung bei ca. 70-80€. Für mich gehört der Malt ohne Zweifel zu den besten und elegantesten rauchigen Whiskys bis 100€. Obwohl der Alkoholgehalt relativ gering ausfällt, lässt die geschmackliche Intensität kaum Wünsche offen. Die Nachreifung in den PX-Sherryfässern lohnt sich für mein Empfinden spürbar, da ich den normalen Lagavulin 16 Jahre mittlerweile etwas zu langweilig und rund finde. Die aktuellen Editionen (2000/2016 & 2001/2017) können geschmacklich leider nicht mehr mit der soeben verkosteten von 1999 mithalten. Einen derartigen Unterschied habe ich im direkten Vergleich nicht erwartet. Für die (auch preislich) noch gut verfügbaren Jahrgänge 1998 und 1999 gilt für mich jedenfalls: Unbedingt nachkaufen!

90/100

 

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