#88 Longrow 2003/2017 13 Jahre First Fill Sherry Butt

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Farbe:

sattes Braungold

Aroma:

Die neue Einzelfassabfüllung aus dem Hause Longrow offenbart unmittelbar nach dem Einschenken sein vielschichtiges Potenzial. Der fassstarke Alkohol (59,1%) ist auf Anhieb wunderbar eingebunden und verursacht weder ein Kratzen noch Stechen in meiner Nase. Mit viel Wohlwollen bemerke ich ein leichtes Kühlen, welches ich aber keineswegs als störend empfinde. Der kräftige Lagerfeuerrauch mit Räucherkammer-Assoziationen (55ppm) ist eng mit einer Vielzahl von Aromen verwoben. Dreckige Longrow/Springbank-Noten sowie mineralische Anklänge, angenehme Sherrynoten, rote, überreife Früchte, saftige Orangen mit einem Schuss Säure, zarte Anklänge von würzigen Eichenholznoten und eine volle Ladung Nuss-Nougat-Schokolade(!) runden die vielschichtige und sehr harmonische Nase ab. Die Vorfreude auf die Verkostung steigt!

Geschmack:

Angenehm weich kleidet der Malt zu Beginn den gesamten Mundraum aus. Sehr kräftig, begleitet von einer leichten Pfeffrigkeit an der Zungenspitze, beginnt das vielschichtige Aromenfestival. Süßer Lagerfeuerrauch ist als stetiger Begleiter von Beginn an präsent, ohne zu dominant zu werden. Die klassischen Sherrynoten von roten, überreifen Früchten folgen. Die mineralischen Anklänge lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten, ehe intensive Schokoladen-Noten (wieder Nuss-Nougat-Schokolade), Orangen, geröstetes Malz, ein Hauch Karamell und etwas Eiche den Gaumen fluten. Zündet da jemand in weiter Ferne ein Streichholz an? Ich meine einen minimalen Hauch von Schwefel, tief verborgen im Hintergrund, wahrzunehmen. Anklänge von Lakritz runden das abwechslungsreiche und komplexe Geschmacksprofil ab. Wie bereits in der Nase ist die Komposition für meinen Geschmack sehr stimmig und harmonisch. Der kräftige Alkohol passt wie die Faust aufs Auge und ermöglicht dem Longrow seine volle, aromatische Entfaltung.

Abgang:

Lang, wärmend und rauchig. Die klassischen Sherrynoten verblassen allmählich und überlassen dem kräftigen Rauch, angenehmen Holzaromen, Lakritz und reichlich Nuss-Nougat-Schokolade die geschmackliche Oberhand. Eine dezente Trockenheit entsteht am Gaumen.

Fazit:

Die Fakten: Der Longrow reifte von September 2003 bis September 2017 13 Jahre lang in einem First Fill Sherry Butt und wurde für die Hanseatische Weinhandelsgesellschaft Bremen abgefüllt. Der Malt muss somit unmittelbar vor seinem 14. Reifejahr in die Flaschen gefüllt worden sein. Insgesamt 540 Exemplare sind bzw. waren verfügbar. Der fassstarke Alkoholgehalt beträgt 59,1%, auf Kältefiltration und Färbung wurde verzichtet. Der Ausgabepreis variierte (je nach Händler) zwischen 90 und 120€. Die harmonische Symbiose aus klassischen Longrow/Springbank-Noten und dem First Fill Sherryfass gefällt mir auf allen Ebenen sehr gut. Der kräftige Rauch und die Vielzahl an anderen Aromen sind stets sehr gut miteinander ausbalanciert. Die Verkostung fand ohne Hinzugabe von Wasser statt. Alles in allem: Eine zum Ausgabepreis fair bepreiste Einzelfassabfüllung, welche mir geschmacklich sehr zusagt. Gerne mehr davon!

91/100

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