#84 Glengoyne 25 Jahre

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Farbe:

tiefes Mahagoni, mit einer ausgeprägten Öligkeit an der Glaswand

Aroma:

Unmittelbar nach dem Einschenken zeigt sich der Glengoyne bereits von seiner vollmundigen, intensiven und eleganten Seite. Ein üppiges Potpourri von roten und reifen Früchten (überreife Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren & Heidelbeeren) bahnt sich spielend leicht den Weg aus meinem Glas. Hinter dem massiven Sherryeinfluss verbergen sich Unmengen an verschiedenen Aromen, welche sich während des Nosings nach und nach herauskristallisieren. Der Alkohol (48%) ist in der Nase sehr gut eingebunden und nicht spürbar. Nach ungefähr 20 bis 25 Minuten entfaltet der Glengoyne sein volles Potenzial: Saftige Blutorangen mit einem säuerlichen Stich, Rosinen, Pflaumen, Karamell, Rohrzucker, Pfeifentabak, Anklänge von Leder, weihnachtliche Gewürze, Zartbitterschokolade mit einem Kakaoanteil jenseits der 70%, Walnüsse und intensive Eichenholznoten sind stark ineinander verwoben. Die Intensität, Balance und Komplexität der verschiedenen Aromen zaubern mir bereits jetzt ein Lächeln ins Gesicht.

Geschmack:

Herrlich! Mit einer wundervollen, öligen Textur breitet sich der Glengoyne im gesamten Mundraum aus. Eine angenehme Süße rinnt kurz die Wangen entlang, während auf der Zungenspitze eine minimale Pfeffrigkeit einsetzt und ein ganz leichtes Prickeln verursacht. Der Alkoholgehalt (48%) ist perfekt eingebunden und verleiht dem Malt stets ausreichend Kraft. Alte, intensive Sherrynoten dominieren das geschmackliche Geschehen. Rote, eingekochte Früchte, Kirschen, Pflaumen, Heidelbeeren, Rosinen und Orangen nehme ich wahr. Verbranntes Karamell, Rohrzucker, reichlich Zartbitterschokolade, Nelken, Zimt, Muskat, Anklänge von Espresso, Pfeifentabak, Leder und würzige Eichenholznoten kreieren ein wunderschönes Geschmackserlebnis. Zündet da jemand in weiter Ferne ein Streichholz an? Ich meine einen minimalen Hauch von Schwefel, tief verborgen im Hintergrund, wahrzunehmen. Elegant, harmonisch und allmählich leicht trockener werdend am Gaumen. Chapeau!

Abgang:

Lang, wärmend, intensiv und würzig. Auch auf der Ziellinie spielt der mindestens ein Vierteljahrhundert lang gereifte Sherry-Malt ein Ass nach dem anderen aus. Trockene Sherrynoten, reichlich Zartbitterschokolade, saftige Blutorangen, Walnüsse, Muskat, Rohrzucker, Kräuter, Espresso und eine intensive Eichenwürze dominieren das Finish. Zum Schluss entsteht eine leichte Trockenheit und Bitterkeit am Gaumen.

Fazit:

Die Fakten: Der Glengoyne reifte mindestens 25 Jahre in Sherryfässern und wurde mit kräftigen 48% abgefüllt, auf Kühlfiltration und Färbung wurde verzichtet. Preislich orientiert sich der Tropfen im Bereich ab 250€ und ist somit ca. 2,5x teurer als der etwas jüngere Glengoyne 21 Jahre. Ist der Glengoyne 25 Jahre den hohen Aufpreis wert? Für meinen Geschmack: Ja. Beide Abfüllungen sind geschmacklich kaum miteinander zu vergleichen, da der 25-jährige wesentlich intensiver, vielschichtiger, harmonischer und eleganter ist. Die edle Holzbox und der hochwertig gestaltete Korken verleihen dem Malt eine erstklassige Aufmachung. Nosing, Geschmack und das Finish sind hervorragend gelungen und treffen meinen Geschmack zu 100%. Die Balance zwischen Süße, schweren Sherrynoten und Würze könnte kaum besser sein. Für mich gehört der Glengoyne 25 Jahre zu den besten Originalabfüllungen, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind. Mit einer souveränen Leichtigkeit landet der Tropfen daher völlig verdient in meiner bisherigen Top 10. Klare Kauf- bzw. Probierempfehlung!

94/100

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