#77 Octomore Masterclass_08.1

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Farbe:

sattes Gelbgold

Aroma:

Unmittelbar nach dem Einschenken strömen mir kraftvolle Rauchschwaden mit honigsüßen Akzenten entgegen. Der hohe Alkoholgehalt (59,3%) sorgt für eine kühlende Frische – ohne Brennen oder Stechen in der Nase. Die intensive Rauchnote ordne ich in Richtung Lagerfeuer, mit reichlich Asche und einer leichten Teernote, ein. Die acht Jahre andauernde Reifung in first fill Bourbonfässern hat Spuren hinterlassen: Dicht hinter dem Rauch befinden sich reichhaltige Vanille- und Karamellnoten, süßer Honig, helle Früchte (gezuckerte Mandarinen aus der Dose), frisch geschnittene Zitronen/Limetten und maritime Noten.

Geschmack:

Wunderbar ölig, mit nahezu buttriger Textur, flutet der Octomore meinen Mundraum. Im vorderen Bereich, vor allem an den Wangen und der Zunge, breitet sich eine intensive Süße aus. Auf der Zungenspitze beginnt es beim 1. Schluck kurzfristig zu beben, fast 60% Alkoholgehalt und 167ppm Phenolgehalt setzen ein markantes Ausrufezeichen. Der kräftige Rauch (Lagerfeuer, Asche & Teer) ist anfangs dominant, lässt jedoch der vanilligen Süße, den leicht floralen Noten und hellen Früchten genügend Raum zur Entfaltung. Karamellbonbons, Mandarinen-Kuchen mit zuckrigem Tortenguss, Honig und Zitrusfrüchte sind präsent. Dezente Anklänge von Nüssen, ganz zarte Eichenholzaromen und maritime Noten (vor allem Salz und ein wenig Kalk) runden das Geschmacksprofil ab. Eine leichte Trockenheit entsteht bereits am Gaumen.

Abgang:

Lang, wärmend und süß-rauchig. Die kräftigen Rauchschwaden werden sukzessive trockener und verdrängen nach einiger Zeit die honigsüßen Aromen und hellen Früchte. Erstmalig blitzen würzige Eichenholznoten intensiver hervor, verbleiben aber in einem eher zurückhaltenden Ausmaß. Salzige Milchschokolade und Lagerfeuerrauch lassen den Malt minutenlang elegant ausklingen. Am Gaumen wird es trockener.

Fazit:

Die Fakten: Der neue Octomore verfügt über einen Phenolgehalt von 167ppm, wurde weder gefärbt noch kühlgefiltert und nach acht Jahren Reifezeit (zu 100% in first fill Bourbonfässern) mit kräftigen 59,3% Alkoholgehalt abgefüllt. Die verwendeten Fässer stammen von Buffalo Trace, Clermont Springs (Jim Beam), Four Roses, Heaven Hill und Jack Daniels. Die Flaschenanzahl ist auf insgesamt 42000 Exemplare begrenzt. Preislich bewegt sich die Abfüllung aktuell bei 130€. Das Warten hat sich für meinen Geschmack gelohnt! Die Kombination aus kräftigem Rauch und reichlich süß-fruchtigen Aromen ist sehr gut gelungen. Das Alter von immerhin acht Jahren verleiht dem Octomore bereits ein – für mein Empfinden – ordentliches Maß an Reife & Eleganz (im Vergleich zu früher erschienenen Abfüllungen, wie z.B. Octomore 03.1 & 06.1 mit je fünf Jahren Reifezeit). Dazu sei jedoch gesagt, dass ich bisher noch nicht alle Octomore-Abfüllungen probiert habe. Das lange und ausbalancierte Finish mit Anklängen von würziger Eiche setzt einen schönen Schlusspunkt. Gefällt mir!

90/100

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4 thoughts

      1. Ja, ich auch. Natürlich nimmt man die Rauchigkeit beim Trinken nicht proportional zur PPM-Angabe wahr, aber mich als Peatfan lässt ein Wert jenseits der 300 definitiv aufhorchen. Sobald ich das gelesen hatte, hatte der Octomore 08.3 bei mir eigentlich schon gewonnen. 😀

  1. So geht es mir auch. Wobei ich den 06.3 mit 258ppm schon sehr rauchig fand. 😀 Das wären sicherlich zwei interessante Kandidaten für einen direkten Vergleich. 🙂

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