#73 Bruichladdich 2006/2017 Sherry Hogshead (Whiskybroker)

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Farbe:

kräftiges, dunkles Mahagonibraun mit einem roten Schimmer

Aroma:

Die wunderschöne Farbe des Whiskys hat es bereits vermuten lassen: Voluminöse Sherryaromen und eine ausgeprägte Nussigkeit mit reichlich Holz strömen aus meinem Glas empor. Der hohe Alkoholgehalt (55,7%) ruft ein leichtes Kribbeln in der Nase hervor, welches auch nach über 20 Minuten nicht vollends verflogen ist. Dunkle Waldfruchtmarmelade, Datteln, Pflaumen und Feigen dominieren auf der fruchtigen Seite, welche über eine minimale Restsüße verfügen. Leder, Tabakblätter, kräftige Gewürze, verbranntes Karamell, Rumtopf und würzige Eichenholznoten (Omas Schrankwand) verleihen dem Whisky eine besinnliche „Schwere“.  Ein Malt, der rein vom Nosing bereits wunderbar zu einem lodernden Kaminfeuer, an einem nasskalten und verregneten Abend mitten im November, passen würde.

Geschmack:

Mit einer ungeheuren, aromatischen Intensität schiebt der fassstarke Malt an. Frisch gemahlener Pfeffer tanzt auf der Zungenspitze und eine spürbare Trockenheit setzt sofort ein. Unter Zugabe von wenigen Tropfen Wasser bleibt der Malt weiterhin sehr intensiv, wirkt jedoch gefälliger und harmonischer. Mit einem Alkoholgehalt von geschätzten 51-52% gefällt mir die Kombination aus Antritt, Balance und Aromentransport am besten. Die Fruchtnoten werden frischer und süßer, ich registriere reichlich Kirschen und Waldbeeren. Anklänge von Edelbitter-Schokolade, mit einem Kakaoanteil jenseits der 70%, verbranntes Karamell, eine Handvoll Walnüsse, frischer Espresso, Leder, Tabakblätter, würzige Eichenholznoten sowie etwas geheimnisvoll Mineralisches, verfeinern das vielschichtige Aromenkonstrukt. Es wird bereits trockener und dezent bitter am Gaumen.

Abgang:

Lang, intensiv und süß-würzig.  Überraschenderweise blitzen die fruchtigen Sherrynoten mit einer schönen Restsüße auf, welche allmählich von den schweren Aromen abgelöst werden. Toffee, Leder und würzige Eichenholznoten folgen sogleich, ehe die bereits beim Nosing festzustellende, ausgeprägte Nussigkeit die geschmackliche Oberhand übernimmt, welche eine spürbare Trockenheit und leichte Bitterkeit am Gaumen zurücklässt.

Fazit:

Die Fakten: Der Bruichladdich wurde am 12.05.2006 destilliert und am 23.08.2017 vom unabhängigen Abfüller „Whiskybroker“ abgefüllt. Der knapp über elf Jahre lange Reifeprozess erfolgte ausschließlich in einem Sherryfass. Der Malt wurde weder gefärbt noch kühlgefiltert und in Fassstärke (55,7% Alkoholgehalt) abgefüllt. Insgesamt 373 Flaschen waren binnen weniger als einer Stunde ausverkauft. Ausgabepreis: knapp über 50 Pfund! Die Farbe hat gewiss nicht zu viel versprochen: Die neue Abfüllung vom Whiskybroker glänzt geschmacklich und generiert ein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man den Ausgabepreis als Bewertungsmaßstab heranzieht. Fans von dunklen Sherryabfüllungen werden sehr wahrscheinlich voll auf ihre Kosten kommen. Ein paar wenige Tropfen Wasser sind empfehlenswert, für den absoluten Puristen aber auch kein unbedingtes Muss. Für meinen Geschmack wurde das Fass zu einem sehr guten Zeitpunkt abgefüllt.

ohne Wasser: 89/100

mit ein paar Tropfen Wasser: 90/100

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