#71 The Three Skulls No. 1 – A Dream of Scotland (Brühler Whiskyhaus)

sdr

Farbe:

Bernstein

Aroma:

Süßer, speckiger Rauch und überreife Früchte dominieren sofort das aromatische Geschehen. Dank der Fasssstärke (56,3%) deutet der raue Islay-Malt bereits in der Nase an, wohin die (kraftvolle) Reise gehen wird. In der Nase macht sich ein leichtes Kühlen bemerkbar, welches ich aber nicht als störend empfinde. Nach einigen Minuten wandelt sich der Rauch ein wenig in Richtung Lagerfeuer mit reichlich BBQ-Sauce und Honig. Die dunklen Früchte sind weiterhin sehr präsent, vor allem Kirschen, Datteln und Pflaumen nehme ich wahr. Zudem kristallisieren sich feine Vanillenoten, Anklänge von Kräutern, Kaffee und ganz dezente Eichenholznoten heraus. Ein deutlich maritimer Einschlag von Jod und Salz rundet die vielschichtige und spannende Nase ab.

Geschmack:

Herzlich willkommen auf Islay! Beim ersten Schluck malträtiert eine gnadenlose Pfeffrigkeit kurzfristig meine Zungenspitze, während mein gesamter Mundraum mit süßem Rauch geflutet wird. Der wunderbare Rauch umfasst eine kraftvolle Mischung aus Teer, Lagerfeuer und feinen Räucheraromen. Die zunächst introvertiere Süße gewinnt nun zunehmend an Kraft und verfeinert das Geschmackserlebnis mit zarten Vanillenoten und Karamell. Der fruchtige Part wirkt im Geschmack süßer und nicht mehr so überreif und schwer, wie es die Nase zunächst vermuten ließ. Kirschen, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Malz und der stets maritime Einschlag (wieder Jod und Salz) gesellen sich zum kraftvollen Rauch. Dezente Eichenholznoten sowie Kaffee und Espresso runden das abwechslungsreiche und vielschichtige Aromengefüge ab.

Abgang:

Mittelang bis lang, wärmend und weiterhin intensiv. Auch auf der Ziellinie dominiert der kraftvolle Rauch, welcher den süßen Früchten den Pfad der Entfaltung erschwert. Eine leichte Restsüße schafft es dennoch ein letztes Ausrufezeichen zu setzen, ehe würzige Eichenholznoten mit einer letzten Prise Pfeffer und maritimen Noten den Malt ausklingen lassen. Am Gaumen entsteht eine leichte Trockenheit.

Fazit:

Die Fakten: Fassstärke (56,3% Alkoholgehalt), weder gefärbt noch kühlgefiltert, dazu in einem Sherryfass gereift. Informationen über das genaue Alter des Malts sowie dessen genaue Herkunft (Islay Destillerie) erhält man anhand des Etiketts nicht. Die Flaschenanzahl der Einzelfassabfüllung ist mit 355 Exemplaren stark begrenzt. Seitens des Brühler Whiskyhauses sind zwei weitere Abfüllungen geplant, welche die Trilogie „The Three Skulls“ komplettieren werden. Der erste Streich überzeugt mich auf allen Ebenen, da die gnadenlose Kraft eines klassischen Islay-Whiskys wunderbar zur Geltung kommt. Das Sherryfass verleiht dem Malt mit süß-fruchtigen Noten eine angenehme Komplexität. Der maritime Grundcharakter harmoniert ebenfalls sehr gut mit den vorhandenen aromatischen Einflüssen. Der Ausgabepreis betrug äußerst faire 52,90€. Mehr Whisky geht für das Geld kaum!

89/100

sdr

Kommentar verfassen