#67 Laphroaig Cairdeas (2017)

sdr

Farbe:

helles Gold

Aroma:

Stürmisch weht der Laphroaig aus meinem Glencairn. Der hohe Alkoholgehalt verursacht ein starkes Kühlen und Stechen in der Nase. Ich lasse den Malt 15-20 Minuten atmen. Der aschige Rauch fällt (überraschenderweise) weniger stark als erwartet aus. Die typischen „Krankenhausnoten“ (besonders Jod) treten unmittelbar in Erscheinung. Reichlich Malz, Vanille und Zitrusnoten sind präsent. Hintergründig identifiziere ich eine schöne Salznote und sanfte Anklänge von würziger Eiche. Überschaubar komplex und nicht sonderlich harmonisch.

Geschmack:

Heftiger, stark rauchiger Antritt mit einer ausgeprägten Pfeffrigkeit, die nahezu in einen „talisker-typischen“ Chili-Catch mündet und sich wie ein betäubender Schleier in der Mundhöhle ausbreitet. Die Zungenspitze wird auch beim 2. Schluck noch ordentlich malträtiert. Im Vergleich zum Nosing ist der aschige Rauch stark dominant, helle Fruchtnoten, Zitrone, Vanille und Malz verweilen eher dezent im Hintergrund. Jod, mineralische Noten (Salz) und eine stärker werdende Eichenwürze treten in Erscheinung. Eine spürbare Trockenheit entsteht bereits. Unter Hinzugabe von wenigen Tropfen Wasser profitiert der Laphroaig ein wenig: Die Fruchtnoten und Vanillearomen können sich ein wenig aus dem Mantel des aschigen Rauches befreien und intensivieren sich. Das Mundgefühl wird etwas runder, bleibt jedoch nicht sonderlich gut ausbalanciert.

Abgang:

Mittellang, wärmend und trocken. Der aschige Rauch ist weiterhin stark präsent und verdrängt die hellen Fruchnoten sowie Vanille beinahe vollständig. Würzige Eichenholznoten nehmen deutlich an Fahrt auf und lassen den Malt mit reichlich Jod und Salz ausklingen. Es folgt eine nachhaltige Trockenheit am Gaumen.

Fazit:

Die Fakten: Die diesjährige Abfüllung des Laphroaig Cairdeas (2017) reifte über fünf Jahre in Heaven Hill First Fill Bourbon Fässern und wurde anschließend für sechs Monate in Quarter Casks nachgereift. Der Alkoholgehalt beträgt kräftige 57,2% (Fassstärke). Ausgabepreis: sportliche 77 Pfund. Gut, was soll ich sagen? Der Laphroaig 10 Jahre Cask Strength Batch #009 (2017) aus meinem gestrigen Artikel, hat die Messlatte nahezu unter die Decke gezimmert. Die Jugend kann der Cairdeas geschmacklich leider nicht verbergen, auch das Quarter Cask Finish ändert an dieser Tatsache, für mein Empfinden, nicht viel. Ohne das angesprochene Finish wären möglicherweise kaum Eichenholznoten wahrnehmbar gewesen und der wenig komplexe Eindruck hätte sich zunehmend verstärkt. Der Malt ist jung, ehrlich, ungestüm und nicht sonderlich vielschichtig. In Anbetracht des Preises habe ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Der Whisky ist gewiss nicht schlecht, aber eben auch meilenweit vom heiligen Gral entfernt. Die besten Freunde werden wir wahrscheinlich nicht mehr, aber immerhin stehen noch die schönen Abfüllungen aus den Vorjahren in meinem Regal.

81/100

dav

 

 

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