#62 Laphroaig 10 Jahre Cask Strength Batch #008 (2016)

dav

Farbe:

dunkles Gold, nahezu Bernstein

Aroma:

In den ersten Minuten überrascht mich der Malt mit einer leichten Introvertiertheit. Der extrem hohe Alkoholgehalt von knapp 60% verursacht ein dezentes Kühlen und Kitzeln in der Nase. 15 Minuten später: Dichte Rauchschwaden mit reichlich medizinischen Noten (Mullbinden, Pflaster und Jod) strömen mit einer beeindruckenden Intensität aus meinem Glas empor. Ein wenig zögerlich kristallisieren sich nun beachtliche Zitrusfruchtnoten aus dem dominanten Rauch heraus, welche dem kräftigen Laphroaig beinahe einen Frischekick verleihen (sofern man den Rauch ausblenden kann). Zitronen, Limetten, Orangen, Tabak und die klassischen, im Hintergrund verweilenden, maritimen Noten von Algen, Seetang und Salz runden das komplexe Profil ab.

Geschmack:

Seidig weich und ölig benetzt der Laphroaig den gesamten Mundraum, ehe eine intensive Rauch-Explosion eintrifft und gnadenlose Dominanz versprüht. Heftig! Die Zunge wird zu Beginn von einer kräftigen Pfeffrigkeit/Ingwerschärfe malträtiert, welche beim 2. und 3. Schluck spürbar nachlässt. Der heftige, süße „Krankenhaus-Rauch“ ist stets dominant, die fruchtigen Zitrusnoten und Orangenschalen blitzen ab und zu kurzzeitig hervor. Einen Hauch von Honig und Vanille nehme ich ebenfalls wahr. Würzige Eichenholznoten und Tabak nehmen nun spürbar an Fahrt auf und verursachen eine leichte Trockenheit. Im Hintergrund befinden sich schöne mineralische Noten sowie Seetang, Algen, Salz und ein wenig Jod.

Abgang:

Ewig lang, wärmend und weiterhin sehr intensiv. Starker, süßer Rauch, Pfeffer, Tabak und würziges, verbranntes Holz mit maritimen Anklängen dominieren das Finish. Es wird spürbar trockener am Gaumen. Der letzte Tropfen im Glas riecht nach einiger Zeit phantastisch.

Fazit:

Der zehn Jahre alte Laphroaig wurde im März 2016 (Batch #008) in Fassstärke (59,2%) abgefüllt. Zu einem damaligen Ausgabepreis von unter 50 Pfund ein absoluter Preis-Leistungs-Kracher, dessen Aufpreis zum Laphroaig 10 Jahre aus der Standard Range absolut gerechtfertigt ist. Selbst der aktuelle Preis von ca. 90-100€ ist nicht unverschämt. Die Intensität der Aromen und der ewig lange Abgang sind für mein Geschmacksempfinden sehr faszinierend. Nachdem ich zu Beginn ehrlich gesagt meine Probleme mit dem eigenwilligen Laphroaig-Rauch hatte, finde ich immer mehr Gefallen an den Malts. Vor allem die Abfüllungen, die über einen hohen Alkoholgehalt (>46%) verfügen, haben mich zuletzt sehr positiv überrascht. Ein toller Tropfen, den man aufgrund seiner Kraft und Intensität möglichst am Ende eines Tastings einschenken sollte.

91/100

sdr

 

3 thoughts

  1. Ich hatte ein Sample vor zwei Tagen im Glas, gut ich bin Laphroaig Fan auch wenn sie durchgängig färben, und kann Deine Tasting-Note nur voll zustimmen. Ich hab heute nochmals an den seit zwei Tagen im Keller stehende Sniffer gerochen…. oh wie gesalzener Erdnussscrunch…. herrlich…. mach das Glas nicht sauber und riech mal in zwei Tagen dran!

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