#61 Glenrothes 1990/2015 24 Jahre (Cadenhead)

dav

Farbe:

kräftiges Mahagoni

Aroma:

Sherry, Sherry und nochmals Sherry. Bergeweise dunkle Früchte suchen den Weg aus meinem Glas. Rumrosinen, Pflaumen, Datteln und Feigen zimmern ein intensives Sherrybrett. Dunkle Zartbitterschokolade, alte Möbel, Leder, weihnachtliche Gewürze, kräftiger Pfeifentabak und würzige Eichenholznoten komplettieren die voluminöse Aromenfracht, welche meine Nase nahezu überfordert. Im Hintergrund liegt in all‘ dieser schweren Verborgenheit eine Handvoll gezuckerter Kirschen. Eine dezente Schwefelnote legt sich wie ein sanfter Schleier über die Aromen. Der Alkoholgehalt von knapp 56% ist sehr gut eingebunden.

Geschmack:

Der Glenrothes ist mächtig auf Krawall gebürstet. Angenehm ölig legt sich der Wolf im Schafspelz in die Mundhöhle, ehe nach ungefähr 15-20 Sekunden ein spürbar adstringierendes Gefühl am Gaumen einsetzt. Der schwere Sherry-Eindruck, den ich bereits in der Nase wahrnehmen konnte, schlägt nun voll ein. Intensivste und kräftige Sherryaromen erobern unverzüglich den gesamten Mundraum und entfachen eine aromatische Detonation. An der Zungenspitze kribbelt es beim 1. Schluck deutlich, ein wenig an Ingwerschärfe erinnernd. Beim 2. und 3. Schluck wird das Gefühl merklich angenehmer. Reichlich dunkle, eingekochte Früchte manifestieren das geschmackliche Fundament. Rumrosinen, Pflaumen und Datteln nehme ich wieder wahr. Alte Möbel, einreduzierte Bratensoße, Leder, würzige Eiche und Zartbitterschokolade, mit Kakaoanteilen jenseits der 70%-Marke, sind präsent. Ein doppelter Espresso setzt dem Aromen-Hammer die Krone auf. Auch im Geschmack registriere ich eine Schwefelnote, welche hintergründig ihr „Unwesen“ treibt. Ein Erlebnis – nicht mehr und nicht weniger.

Abgang:

Lang, wärmend und intensiv. Reichlich Tannine und Ingwer kommen nun zum Vorschein und drängen die intensiven Fruchtnoten in den Hintergrund. Leder, Tabak, Zartbitterschokolade und Espresso sind einige Zeit präsent. Mit einer spürbaren Trockenheit und ausgeprägten (würzigen) Bitterkeit klingt der Malt allmählich aus.

Fazit:

Ein wahres Extremum – hate it or love it. Lediglich 966 Flaschen wurden von Cadenhead im Jahr 2015 abgefüllt. Zur Verwendung kamen mehrere Sherryfässer, welche 1990 befüllt wurden. Das Alter wird mit 24 Jahren angegeben. Der sehr gut eingebundene Alkoholgehalt beträgt kräftige 55,7%. Tja, was soll ich sagen? Die Intensität der Aromen ist ein Erlebnis. Ob die Kombination von dunklen Früchten, reichlich würzigen Noten und etwas Schwefel jedem gefällt, wage ich zu bezweifeln. Ein schmaler Grat – ich bin ehrlich gesagt ein wenig verliebt in die Abfüllung. Gewiss nicht für jeden Tag geeignet, aber wenn es etwas extremer hinsichtlich Sherry, Sherry und nochmals Sherry sein darf: Der Glenrothes erfüllt den Wunsch für meinen Geschmack mit Bravour. Preislich bewegt sich das kleine Monster aktuell schon bei 200€, Tendenz zügig steigend.

93/100

dav

 

 

 

 

Kommentar verfassen