#59 Laphroaig Vintage 23 Jahre 1991/2014

dav

Farbe:

sattes Gelbgold, mit einer ausgeprägten Öligkeit an der Glaswand

Aroma:

Herrlich komplex. Perfekt eingebundener Alkohol, gezähmter, harmonischer Rauch, süße Anklänge von Honig, reichlich Zitrusfrüchte und Gewürze sind meine ersten Eindrücke. Der Rauch gefällt mir sehr gut, da die typischen „Krankenhaus-Noten“ nach Pflastern und Mullbinden kaum wahrnehmbar sind. Auf der frischen Seite dominieren Zitrusfrüchte, bei denen ich in Richtung Limetten und saftigen Grapefruits tendiere. Aufgrund der Sherryfassreifung registriere ich süße, rote Früchte. Reife Trauben, ein Hauch von Himbeeren und Brombeeren strömen zögerlich aus meinem Glas empor. Einen weiteren Gegensatz bilden die spürbar wahrnehmbaren Gewürze (Nelken & Zimt) und Eichenholznoten. Im Hintergrund verweilt ein wunderbar maritimer Einschlag. Ein wenig Seetang, Algen und eine salzige Meeresbrise runden das äußerst vielschichtige und stets harmonische Aromengefüge ab. Selbst nach einer halben Stunde kristallisieren sich neue Eindrücke heraus. Einfach faszinierend und spannend!

Geschmack:

Sehr ölig, weich, anschmiegsam und voluminös flutet der Laphroaig den Gaumen. Die Gewürze rufen ein feines Prickeln auf der Zungenspitze hervor. Der angenehm süße Rauch benetzt die Mundhöhle und überlässt nach wenigen Sekunden den sherrylastigen und würzigen Aromen die Oberhand. Reife rote Früchte, Trauben, Kirschen, süßer Waldhonig, ein Hauch Karamell, saftige Grapefruits und Anklänge von Orangenschalen bilden das geschmackliche Grundgerüst. Würzige Eichenholznoten, Nüsse, Leder, Kräuter und Gewürze (wieder Nelken und Zimt) intensivieren sich und ebnen den Weg zum Finish. Im Hintergrund verweilen nun stets süßer Rauch und maritime Noten. Salz, Seetang und Algen komplettieren das facettenreiche Geschmackserlebnis. Sehr ausbalanciert und harmonisch, mit perfekt eingebundenem Alkohol, der dem Laphroaig eine völlig ausreichende Kraft verleiht.

Abgang:

Lang und wärmend. Der Malt „verliert“ ein wenig von seiner süß-fruchtigen Leichtigkeit und überlässt den dunklen Früchten sowie ausgeprägten Holznoten nun den Vorrang. Reichlich Leder, Kräuter und Salz sind präsent. Der Rauch verweilt auch auf der Ziellinie eher im Hintergrund. Ganz zum Schluss bildet sich eine leichte Trockenheit sowie Bitterkeit am Gaumen.

Fazit:

Die Fakten: Die Flaschenanzahl des 1991er Laphroaig ist auf lediglich 5000 Stück begrenzt. 23 Jahre lang durfte der Malt in First Fill Sherry sowie Refill Hogsheads reifen, eher er im Jahr 2014 abgefüllt wurde. Der Alkoholgehalt beträgt noch kräftige 52,6%. Preislich bewegt sich die Abfüllung im Bereich von ca. 270-300€+ und liegt mit dem Laphroaig 25 Jahre (2015er Release) gleichauf. Auch wenn ich bisher (noch) kein riesiger Laphroaig-Anhänger bin, arbeitet der Tropfen mit Siebenmeilenstiefeln daran, dies schnellstmöglich zu ändern. Ich bin von der aromatischen Vielfalt auf allen Ebenen schlichtweg begeistert. Der unglaublich schön eingebundene Alkohol sorgt neben der Vielzahl an Aromen für eine fabelhafte Harmonie und Balance. Der süße, wenn auch gezähmte und oft im Hintergrund verweilende, Rauch passt sehr gut. Ich hatte vor einiger Zeit den 25-jährigen Laphroaig (2015er Release) im Glas, welcher sehr gut war, aber für mein Empfinden nicht an den 1991er Vintage heranreichen kann. Da beide preislich nahezu gleichauf liegen, würde meine Wahl daher relativ eindeutig ausfallen, auch wenn die soeben verkostete Sonderabfüllung zwei Jahre jünger ist. Ein Schnäppchen ist die Abfüllung sicherlich nicht, aber wer auf der Suche nach einem alten, reifen und harmonischen Islay-Malt ist, könnte bei der Abfüllung durchaus fündig werden.

92/100

sdr

 

 

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