#57 Bowmore Springtide

dav

Farbe:

helles Mahagoni

Aroma:

Der hohe Alkoholgehalt in Höhe von 54,9% ist sehr gut eingebunden. Ich nehme zu Beginn weder ein Kühlen, Stechen noch Brennen in der Nase wahr. Schwere Sherrynoten in Kombination mit einer dezenten Lagerfeuerrauchnote sind sofort präsent. Ein Potpourri aus einer Vielzahl an dunklen Früchten bildet das aromatische Grundgerüst. Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Feigen und Kirschen umschmeicheln meine Nasenspitze. Saftige Orangen, Karamell, kräftiger Pfeifentabak, Zartbitterschokolade, Leder, würzige Eiche und maritime Noten (Salz) sorgen für eine spannende, abwechslungsreiche und komplexe Nase.

Geschmack:

Sehr ölig und samtig weich am Gaumen. Der hohe Alkoholgehalt ermöglicht einen kräftigen und vollmundigen Aromentransport. Nach ungefähr 15-20 Sekunden ist bereits eine leicht adstringierende Wirkung am Gaumen wahrnehmbar. Eine leichte Süße (Karamellbonbons) umschmeichelt zu Beginn meine Zungenspitze, ehe es zunehmend bitterer wird. Die intensiven, dunklen Sherryaromen hüllen sich in ein kleines Lagerfeuer am Strand. Auch im Geschmack sind die dunklen Waldbeeren von hoher Intensität vorzufinden. Die schweren Sherrynoten mit reichlich Leder, Walnüssen, Eichenwürze, Pfeifentabak und Zartbitterschokolade gewinnen zunehmend an Dominanz, während im Hintergrund weiterhin ein kleines Lagerfeuer glimmt. Der vielschichtige und ausbalancierte Eindruck beim Nosing setzt sich hier nahtlos fort.

Abgang:

Lang und wärmend. Süßes Karamell, dunkle Früchte, Salz und leichter Rauch tragen zu Beginn das harmonische Finish. Würzige Eichenholznoten drängen sich nach einiger Zeit stärker in den Vordergrund und hinterlassen zartbittere Schokoladenaromen und eine spürbare Trockenheit am Gaumen. Der schöne Rauch bleibt auch hier weiterhin stets im Hintergrund präsent.

Fazit:

Die (harten) Fakten: NAS, gefärbt und mit einem Preis ab 170€ alles andere als günstig. Zur Reifung des Bowmore Springtide wurden First und Second Fill Oloroso Sherryfässer aus Spanien verwendet. Die Flaschenanzahl ist auf insgesamt 4000 Stück begrenzt. Der ausgezeichnet eingebundene Alkoholgehalt der Abfüllung beträgt kräftige 54,9 Volumenprozente. Ich habe mittlerweile schon einige Bowmore verkosten können und bleibe immer mehr an den Abfüllungen mit einem höheren Alkoholgehält hängen. Viele unabhängig abgefüllte Bowmores in Fassstärke oder auch originalabgefüllte, wie der 15-jährige Laimrig und nun der Springtide, treffen meinen persönlichen Geschmack. Der Springtide überzeugt mich auf allen Ebenen: Nase, Geschmack und auch der harmonische Abgang sind sehr gelungen. Da es sich um einen Whisky ohne Altersangabe handelt, ist es sehr schwer zu schätzen, wie alt die verwendeten Fässer gewesen sein können. Aufgrund des eher dezentes Rauches vermute ich, dass die Abfüllung im Schnitt wesentlich älter als 10 Jahre sein wird. Allerdings besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass Bowmore sehr gute Fässer verwendet hat, welche reichlich an Sherryaromen abgeben konnten und den rauchigen Grundcharakter von Bowmore deutlich gezähmt haben. Als Whiskypurist stört es mich insgesamt jedoch, dass Bowmore auch diese limitierte Abfüllung „färben“ musste. Im Preissegment von fast 200€ ist das für mein Empfinden einfach ein Unding. Auch wenn mir der Bowmore Springtide sehr gut gefällt, würde ich aus Preis-Leistungs-Sicht eher zum Bowmore 15 Jahre Laimrig greifen, welcher aktuell mit ca. 90€ ungefähr die Hälfte kostet. Da ich das Färben und das Preis-Leistungs-Verhältnis des Whiskys nicht in meine rein „geschmacklicke Punktzahl“ einbeziehe, bleibt es bei über 90 von 100 verdienten Punkten.

91/100

dav

 

 

 

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