#56 Glenlivet 2006/2017 10 Jahre – Private Edition No. 1 für die Whiskybotschaft (Signatory Vintage)

dav

Farbe:

tiefes Mahagoni, mit einer ausgeprägten Öligkeit an der Glaswand

Aroma:

Wo ist der Alkohol? Mit enorm kräftigen 63,6% wurde der fassstarke Glenlivet abgefüllt. Ich nehme zwar ein spürbares Kühlen in der Nase wahr, jedoch meilenweit entfernt von einem unangenehmen Stechen oder Brennen. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Meine Nasenspitze wird von intensiven, schweren und vielschichtigen Sherryaromen umhüllt. Unmengen an dunkler Schokolade, Kakao zum Backen, getrockneten Früchten, vor allem Datteln, Feigen und Rosinen, gieren zu Beginn nach der aromatischen Oberhand. Nach wenigen Minuten entwickelt sich der komplexe Eindruck weiter. Feine Noten von Leder, Holz (alte Zigarrenkiste), Tabakblättern und etwas Eiche runden das aromatische Profil ab. Die Vorfreude auf die Vorkostung steigt!

Geschmack:

Der Wolf im Schafspelz. Der erste Schluck schiebt nach ca. 10-15 Sekunden im Mund gnadenlos (gut) an. Das Mundgefühl ist sehr ölig, fast buttrig, sehr vollmundig und leicht adstringierend. Ein ordentliches Prickeln (Pfeffer/Ingwer?) auf der Zungenspitze setzt ein, ohne jedoch zu unangenehm zu sein. Beim 2. und 3. Schluck reduziert sich das Prickeln spürbar. Der geübte „Fassstärke-Trinker“ wird den Tropfen mit Sicherheit auch pur sehr gut genießen können. Der hohe Alkoholgehalt lädt zudem wunderbar zum Experimentieren ein. Nun aber endlich zum Geschmack: Der schokoladige Eindruck beim Nosing setzt sich geschmacklich nahtlos fort. Dunkle Zartbitterschokolade, rote Trockenfrüchte, Datteln, Rosinen, saftige Orangen und überreife Pflaumen fluten den Gaumen. Zu den harmonischen Eichenholznoten gesellen sich weihnachtliche Gewürze hinzu. Zimt, Muskat, Tabakblätter, Leder, Röstaromen, Espresso und Walnüsse vervollständigen das schwere, sehr aromatische Konglomerat.

Abgang:

Lang. Sehr wärmend, weiterhin sehr mundfüllend und intensiv. Auch auf der Ziellinie dominieren zartbittere Schokoladennoten, Trockenfrüchte, Orangen, Leder und Espresso. Die feinen Röstaromen und würzigen Eichenholznoten intensivieren sich. Zum Schluss entsteht eine leichte Bitterkeit und es wird spürbar trockener am Gaumen.

Fazit:

Die Fakten: Bei der ersten „Private Edition“ für die Whiskybotschaft handelt es sich um einen knapp 11 Jahre alten Glenlivet. Am 30.05.2006 wurde der Whisky destilliert und am 17.05.2017 in Fassstärke, mit 63,6% Alkoholgehalt, abgefüllt. Auf Färbung und Kühlfiltration wurde verzichtet. Die komplette Reifezeit erfolgte in einem First Fill Sherry Hogshead. Insgesamt 319 Flaschen wurden abgefüllt. Ich habe zwei Drams des Whiskys für meine Verkostungsnotizen pur genossen. Auf die Hinzugabe von einigen Tropfen Wasser habe ich bisher verzichtet. Der Malt überzeugt mich auf ganzer Linie. Die tolle Nase verhüllt den hohen Alkoholgehalt auf eine beachtliche Weise, ehe es geschmacklich schonungslos zur Sache geht. Das für mich mittlerweile sehr wichtig gewordene Finish setzt meinen positiven Eindruck konstant fort. Ich wage zu behaupten, dass vor allem Fassstärke-Trinker hier voll auf ihre Kosten kommen werden. Faszinierend, welch‘ aromatische/geschmackliche Intensität und Komplexität nach nur knapp 11 Jahren Lagerzeit aus dem Sherryfass gewonnen wurden. Der faire Preis kann sich ebenfalls sehen lassen: 80€. Die massive Glasflasche von Signatory Vintage gefällt mir ebenfalls sehr gut, vor allem in Kombination mit dem schwarzen Etikett. Der Geruch des leeren Glases weckt Assoziationen an Lebkuchen mit glasierter Schokolade.

91/100

sdr

 

 

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