#50 Octomore 02.2 Orpheus

dav

Farbe:

leuchtendes Gold mit einem braunen Schimmer und extremer Öligkeit an der Glaswand

Aroma:

Wunderschön. Zu Beginn sorgt der hohe Alkoholgehalt in Höhe von 61% für eine kühlende Frische. Eine intensive Rauchigkeit mit fruchtigen Akzenten strömt mir mit voller Wucht aus meinem Glas entgegen. Den dominanten Rauch ordne ich in Richtung Lagerfeuer mit Räucheraromen und einer subtilen Teernote ein. In Kombination mit den roten Früchten und leicht weinigen Aromen sehr faszinierend und für mich bisher einzigartig. Kirschen, Himbeeren, Johannisbeeren, Trauben sowie ein Hauch von Honig und Vanille fluten nun meine Nase. Subtile Eichenholznoten und maritime Anklänge verweilen im Hintergrund. Nach gut 30 Minuten Nosing mit reichlich Entdeckungen, steigt die Vorfreude der Verkostung.

Geschmack:

Wie gut ist der Tropfen denn bitte pur trinkbar? Äußerst ölig, seidenweich und mundauskleidend ohne Ende. Reichlich Rauch und Süße nehme ich in den ersten Augenblicken wahr, die Zungenspitze prickelt in einem angenehmen Ausmaß. Wasser füge ich nicht hinzu. Lagerfeuerrauch, geräucherte Datteln im Speckmantel und eine massive Süße aus Honig, Vanille und verschiedenen roten Beeren bilden das geschmackliche Fundament. Der schöne Rauch bleibt stets präsent, reichlich Kirschen, Johannisbeeren, Brombeeren, Orangen, Grapefruit und Honig mit Vanilleschoten sorgen für den fruchtig-süßen Einschlag, der lange anhält. Im Hintergrund verweilen wieder eine dezente Eichenwürze und maritime Noten, vor allem salzige Anklänge sind spürbar. Äußerst komplex, ausbalanciert und harmonisch. Gefällt mir sehr gut!

Abgang:

Sehr lang. Der Rauch schiebt nochmals richtig an und wird nun leicht aschig. Eine leichte Pfeffrigkeit und weiterhin fruchtig-süße Aromen sorgen für ein komplexes Finish. Nach 1-2 Minuten etwas trockener werdend, mit einer leichten Bitterkeit. Der Rauch bleibt einige Minuten, auch etwas Salz gesellt sich wieder hinzu.

Fazit:

Chapeau! Faszinierend, wie komplex ein Whisky mit nur fünf Jahren Lagerzeit sein kann. Die Mischung aus einem 140ppm starken Rauch, Bourbonfässern sowie Château Pétrus Weinfässern erzeugt ein für mich bis dato einmalig harmonisches Geschmackserlebnis. Ich verneige mich vor der handwerklichen Leistung. Nase, Geschmack und auch der Abgang überzeugen mich qualitativ. Das Zusammenspiel aus starkem Rauch, süßen Früchten, Honig und maritimen Anklängen lädt zum Entdecken ein. Fast 75 Minuten Aufmerksamkeit habe ich dem Dram geschenkt, die er aufgrund seiner Vielschichtigkeit auch verdient hat. Insgesamt 15000 Flaschen wurden 2009 abgefüllt. Der Alkoholgehalt beträgt starke 61%, auf Färbung und Kühlfiltration wurde verzichtet. Der Ausgabepreis lag damals ca. bei 100€, mittlerweile liegen die Preise (leider) bei 400€ und mehr. Ich bin froh, dass ich den Tropfen noch probieren konnte, auch wenn ich mir, aufgrund der Preisentwicklung, (leider!) keine Flasche mehr kaufen werde.

94/100

dav

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