#45 Glentauchers 1990/2017 (Cadenhead)

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Farbe:

strahlendes Gelbgold, mit einer ausgeprägten Öligkeit an der Glaswand

Aroma:

Sehr vielversprechend und komplex. Nach über 26 Jahren Lagerzeit verströmt der Whisky immer noch betörende Fruchtnoten mit floralen Anklängen. Reichlich tropische Früchte und Vanille umschmeicheln meine Nasenspitze. Der Alkoholgehalt in Höhe von 52,6% ist sehr gut eingebunden. Kokosnuss, Ananas, Mango-Maracuja, frische Orangen, Mandarinen und Pfirsiche bestücken den exotischen Fruchtkorb. Zitrusfrüchte sorgen für einen säuerlich-frischen Kick. Vanille, Honig und süße Eichenholznoten sind ebenfalls präsent, verweilen aber angenehm im Hintergrund. Die drei Bourbonfässer haben bisher eine tadellose Arbeit verrichten können.

Geschmack:

Voller, reifer und voluminöser Antritt. Unglaublich ölig, das Mundgefühl ist seidig weich, fast buttrig. Der Malt klebt förmlich im gesamten Mundraum und regt den Speichelfluss ordentlich an. Beim 1. Schluck nehme ich ein leichtes Prickeln an der Zungenspitze wahr, bis die exotische Cocktailbar geöffnet hat: Die tropischen Früchte übernehmen sofort die geschmackliche Oberhand. Auch hier finde ich wieder Ananas, Mango-Maracuja, ein Hauch von unreifen Erdbeeren und Orangen. Grüne Äpfel und Zitronen sorgen für einen säuerlich-erfrischenden Einschlag. Zuckriger Tortenguss (auf einem Mandarinen-Käsekuchen), Vanille, Karamellbonbons und Honig unterstreichen das süße Fundament. Die würzigen Eichenholznoten blitzen auf und kontrastieren sehr gut zu den süßen, fruchtig-frischen Noten. Hach, welch‘ sommerliche Harmonie… Im Hintergrund läuft „Chan Chan“ von Buena Vista Social Club.

Abgang:

Mittelang bis lang, mit einer minimalen Pfeffrigkeit am Gaumen. Die Fruchtnoten und süßen Aromen verblassen allmählich. Würzige Eichenholznoten, Tabakblätter und Schokolade folgen. Die Bitterkeit ist sehr dezent, es wird jedoch etwas trockener am Gaumen. Sehr ausbalanciert und stets angenehm.

Fazit:

Über 26 Jahre durfte der Glentauchers vom unabhängigen Abfüller Cadenhead reifen. Die Lagerung fand von 1990 bis 2017 in drei Bourbonfässern statt, welche eine Auflage von 420 fassstarken Flaschen ermöglichten. Der Alkoholgehalt beträgt sehr gut eingebundene 52,6%. Der Malt hat mich auf allen Ebenen überzeugt. Nase, Geschmack und Abgang bieten für mein Empfinden ein stets hohes Niveau, wobei mir die Nase wohl am besten gefallen dürfte. Die sommerlich-frischen Aromen verleiten zu einer gefährlichen Süffigkeit. Mit 116 Pfund in Schottland (ca. 140€ mit Versandkosten aktuell) sicherlich nicht das Schnäppchen des Jahres, aber von „überteuert“ weit entfernt. Für mich ist der Tropfen das Geld wert!

91/100

dav

 

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