#33 Bruichladdich 1990/25 Sherry Cask Edition

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Farbe:

wunderschönes Mahagoni mit einem kräftigen Rotstich

Aroma:

Zu Beginn nehme ich ein Potpourri aus (überraschend) fruchtig-süßen Sherryaromen sowie schweren Noten wahr. Doch der Reihe nach: Anfangs dominieren Blaubeeren, Himbeeren und Kirschen mit dezenten Gebäcknoten. Eine Assoziation eines von Oma gebackenen Bleches mit frischem Kirsch-Streusel-Kuchen lässt mich nicht mehr los. Es gesellen sich geröstete Mandelsplitter, ein Hauch von Leder und hölzerne Aromen, die an eine leere Zigarrenkiste erinnern, hinzu. Nach einigen Minuten meine ich einen leicht säuerlichen Einschlag wahrzunehmen, der mit einer leicht erfrischenden Note auf eine Limettenschale oder eher eine saftige Blutorange hindeuten könnte. Äußerst komplex, wunderbar harmonisch und für meine „fortgeschrittene Anfängernase“ schon fast ein wenig überfordernd, da die komplexe Fülle an Aromen erstmal identifiziert werden möchte.

Geschmack:

Sehr füllendes, ölig-samtiges Mundgefühl mit einer ganz leichten Pfeffrigkeit zu Beginn. Beim zweiten Schluck ist das subtile Prickeln auf der Zungenspitze für mich kaum noch wahrnehmbar. Intensive Sherryaromen mit einer dezenten Süße dominieren, vor allem saftige Blutorangen, Kirschen und ein paar Blaubeeren registriere ich. Auch ein paar helle Früchte, wie Mandarinen und Pfirsiche, sowie kräftiger Waldhonig gesellen sich hinzu. Die Orangen übernehmen den säuerlichen Einschlag, schwere Aromen folgen sogleich. Altes Leder, frische Tabakblätter, eine Handvoll Nüsse und würzige Eichenholznoten setzen einen schönen Kontrast zu den fruchtigen Sherrynoten. Der Alkoholgehalt in Höhe von 48,1% ist perfekt eingebunden. Die enorme Komplexität, die bereits beim Nosing festzustellen war, setzt sich hier nahtlos fort.

Abgang:

Lang. Die fruchtig-süßen Sherryaromen sind auch im Abgang anfangs noch deutlich spürbar und weichen allmählich dunklen Trockenfrüchten, einer ausgeprägten Nussigkeit sowie würzigen Eichenholznoten. Leicht trockener werdend, mit einer ganz subtilen Bitterkeit.

Fazit:

Ich verneige mich. Ob ich einen noch besseren Jahrgangswhisky (1990) finden werde? Die Messlatte liegt bereits hoch und momentan auf einer Ebene mit dem Mannochmore 25 Jahre. Der Bruichladdich ist ein wahres Komplexitätsmonster, dessen Dram man gerne 45-60 Minuten Aufmerksamkeit schenken darf – man wird definitiv für seine Geduld belohnt. Die Vielschichtigkeit & Harmonie der differierenden Aromen gefällt mir ausgesprochen gut. Auf der Tube lässt sich der ungewöhnliche Werdegang des Whiskys sehr transparent einsehen: Die insgesamt 6000 Flaschen umfassende Abfüllung wurde aus zwei verschiedenen Batches (mindestens 25 Jahre alt) im Jahr 2016 miteinander vermählt. Batch Eins durfte anfangs 17 Jahre in Refill-Bourbonfässern reifen, anschließend für fünf Jahre in französischen Weinfässern und am Ende nochmals vier Jahre in PX-Sherryfässern. Batch Zwei befand sich 18 Jahre in Refill-Sherryfässern und anschließend nochmals sieben Jahre in Oloroso-Sherryfässern. Der Whisky wurde mit, wie oben bereits erwähnt, 48,1% Alkoholgehalt abgefüllt, auf Färbung und Kühlfilterung wurde verzichtet. Die Abfüllung ist für den Travel Retail vorgesehen und wohl an verschiedenen Flughäfen und Border Shops verfügbar. Die Preise liegen aktuell bei über 200€ bis 350€.

94/100

edf

2 thoughts

  1. Danke für Deine ausführlichen Notes. Leider haben sie meine letzten Zweifel ausgeräumt und ich musste eine Flasche kaufen 😉

    Achja – tolle Seite! Weiter so…

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